Was ist Modern Dance?

Der Moderne Tanz hat seinen Ursprung im Zeitalter der Moderne, ab etwa 1900 in Europa und den USA. Obwohl er sich aus dem damals vorherrschenden klassischen Ballett emanzipierte, hat er doch teilweise dessen Bewegungstechnik und -vokabular aufgegriffen und erweitert.

Die Pioniere des expressionistischen und Ausdruckstanzes, z.B. Isadora Duncan, Ruth St. Denis, Ted Shawn, Loie Fuller, Waslaw Nijinsky, Alexander Sacharow, Martha Graham, Mary Wigman, Rudolf von Laban und Gret Palucca, verstanden in ihrem Tanz die Bewegung des Körpers als Sprache der Seele. Sie revolutionierten den Bühnentanz, indem sie neue Bewegungsformen schufen und erforschten, die der Natürlichkeit und Authentizität einen hohen Stellenwert gaben. Das Individuelle wurde der Künstlichkeit, Gleichförmigkeit und Reproduktion des klassischen Balletts entgegengestellt.

Der Ausdruckstanz kannte weder feste Bewegungsvorschriften noch einen einheitlichen Stil. Ab 1924 zerfiel er in unterschiedliche Richtungen. Gleichzeitig fand eine wechselseitige Beeinflussung und teilweise Verbindung zwischen Ballett und Modernem Tanz statt.

In Deutschland wurde die weitere Entwicklung des Ausdruckstanzes durch die Nationalsozialisten unterdrückt. In den USA prägten neben Martha Graham Choreographen wie Doris Humphrey, Lester Horton, Merce Cunningham und José Limón die Entwicklung und Verbreitung des Modern Dance. Sie gründeten jeweils Kompanien und Schulen und vermittelten eigene Unterrichtssysteme, die bis heute Gültigkeit im zeitgenössischen Bewegungsrepertoire und der Tanzausbildung haben.

Als Mischform von Modern und Jazz Dance entstand Modern Jazz Dance und wurde zunehmend beliebt.

Die ständige Weiterentwicklung und Erneuerung des modernen Tanzes in der Gegenwart nennt man „Zeitgenössischen Tanz“ oder „Contemporary Dance“.

Tanztechnische Erneuerungen des Modern Dance:

Die anatomisch natürlichere Parallelstellung der Beine ergänzte die Bewegungsrichtung „auswärts“ oder „turnout“ (vom Becken her ausgedrehte Beinhaltung). Nicht mehr der Brustkorb, sondern der Bauchraum wurde als Bewegungszentrum wahrgenommen. Das Becken wurde beweglich. Die Spitzenschuhe und das Tutu wurden gegen Gewänder, lange schwingende Röcke und Barfußtanz ausgetauscht. Zunehmend belastete man den ganzen Fuß, nicht nur die (halbe) Spitze.

Das Prinzip der beim klassischen Ballett geforderten ständigen Anspannung des Muskelapparats wurde verworfen; die Bewegung spiegelte nun den Wechsel von Heben und Sinken, Ausdehnen und Zusammenziehen, Anspannung und Entspannung („contraction“ und „release“) wieder.

Die neuen Techniken des Gleitens, Fallens und Schwingens beruhten auf den natürlichen anatomischen und physiologischen Möglichkeiten des Körpers.

Der Rhythmus des Atems wurde zum zeitlichen und dynamischen Muster. Die festgelegten Geschlechterrollen wurden aufgelöst und der männliche Tanz erhielt einen neuen Stellenwert.

(Text: Julia Holzmüller)

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