Was ist Jazz Dance?

Im Unterschied zum Modern Dance, den man als experimentelle Bühnenkunst beschreiben kann, war und ist Jazz Dance allgemein mehr Gesellschafts- und Showtanz. Er wird oft in Formation und hauptsächlich nach vorne ausgerichtet getanzt und setzt auch gezielt Posen, Effekte und Kunststücke ein. Hier geht es in erster Linie um Spaß, Unterhaltung und unmittelbaren Ausdruck von Lebensfreude und Energie.

Charakterisierend für Jazz Dance sind Polyrhythmik und Polyzentrik (Isolationsbewegungen einzelner Körperteile), schnelle Beinbewegungen sowie Raum für spontane Improvisationen. Da Jazz Dance jedoch keine einheitliche oder feste Form hat, war er seit jeher für alle möglichen Einflüsse und Entwicklungen offen.

Die Ursprünge des Jazz Dance liegen im afrikanischen Tanz, der mit den Sklaven nach Amerika kam und sich dort u.a. mit südamerikanische Rhythmen und Bewegungen mischte. Anfangs tanzte man zu afrikanischen Trommelrhythmen, dann zu Jazzmusik. Auch der Stepptanz war ein Zweig des Jazztanzes. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der neue Tanzstil zuerst in den USA, später auch in Europa, von den Tanzstudios aufgegriffen und zunehmend akademisiert. Aus verschiedenen Stilen wurden Schulen und Kompanien gegründet, die jeweils bestimmte Tanztechniken favorisierten, beispielsweise durch Alvin Ailey, Gus Giordano und Matt Mattox. Durch Vermischung mit Ballett und Modern Dance entstanden Bühnentanzformen. Nicht zuletzte fand Jazz Dance als fester Bestandteil Eingang in das Musical.

Bedeutung von Jazz Dance heute:

In Deutschland ist (Modern-) Jazz Dance als Tanzsport seit 1990 eine Bundesliga-Wettkampfsdisziplin mit höchsten technischen Anforderungen.

Der seit den 1980er-Jahren populäre Street Jazz ist ein Studio-Tanzstil, der Jazz Dance-Techniken und Bewegungsformen aus der Hiphop- und Breakdancekultur der „Straße“ verbindet. Heute wird Street Jazz in vielen Tanzschulen als Hiphop unterrichtet, wovon sich die Straßenhiphopkultur jedoch abgrenzt. Spätestens mit den Musikvideos und Konzerten von Michael Jackson wurde Street Jazz so populär, dass es in den folgenden Jahrzehnten zu einem Boom der Videoclip-Tanzkultur kam, der bis heute andauert. Mittlerweile ist Videoclip Dance so vielfältig wie die Musikstücke und integriert auch zunehmend Contemporary Dance.

In Tanzvideos und -studios hat sich außerdem Lyrical Jazz Dance etabliert. Hier geht es oft um den Ausdruck starker Gefühle; die Choreografie bezieht sich mehr oder weniger direkt auf die Songtexte (englisch „Lyrics“). Technisch basiert Lyrical Jazz hauptsächlich auf Modern Jazz, lässt sich aber auch vom Street Jazz beeinflussen, z.B. als Lyrical Street Dance.

(Text: Julia Holzmüller)

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